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Missverständnisse aus dem Weg schaffen

Wissen hilft. Informieren und helfen Sie sich und Ihren Mitmenschen.

Psychische Erkrankungen kommen auch in Graubünden häufig vor. Statistisch erkrankt jede zweite Bündnerin und jeder zweite Bündner im Laufe des Lebens einmal an einer psychischen Erkrankung. Trotzdem sind psychische Probleme für viele ein Tabu. Zu häufig werden deswegen Menschen mit psychischen Störungen und ihre Angehörigen stigmatisiert. Wissen hilft, Vorurteile, Ängste, Isolation und negative Folgen daraus abzubauen.

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen zu diesen Themen.

Vorurteile – Stigmatisierung

Gemäss WHO zählen psychische Erkrankungen zu den häufigsten Krankheiten überhaupt. In der Schweiz erkrankt etwa jede zweite Person im Laufe ihres Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung – hochgerechnet sind dies über 75’000 Bündnerinnen und Bündner. Psychische Erkrankungen können in jedem Alter auftreten und sind selbst bei Kindern und Jugendlichen weitverbreitet. Am häufigsten werden affektive Störungen (wie Depression und bipolare Störungen), Angststörungen und Substanzstörungen diagnostiziert. Und trotzdem: Vorurteile über psychische Erkrankungen und über die Betroffenen sind leider allgegenwärtig.

Psychische Erkrankungen führen zu grossem individuellen und familiären Leid - für die Betroffenen von psychischen Erkrankungen und für ihr Umfeld. Neben dem direkten Leidensdruck durch die Erkrankung, haben Betroffene mit weiteren massiven Schwierigkeiten zu kämpfen. Psychisch Erkrankten wird oft mit Vorurteil, Angst sowie sozialer Distanz begegnet. Zusätzlich neigen Betroffene oft zur Selbststigmatisierung, d.h. sie werten sich also selbst zusätzlich ab. Aus Angst, abgestempelt bzw. stigmatisiert zu werden, suchen Betroffene von psychischen Erkrankungen deshalb oft keine fachliche Hilfe auf. Sie leiden vielmals sehr lange, bis sie  professionelle Unterstützung erhalten – sofern dies überhaupt geschieht. Dies kann die Krankheit weiter verschärfen, zur Chronifizierung führen und die Verlaufsprognose verschlechtern.

Wissen hilft dabei, Vorurteile, Ängste, Isolation und negative Folgen daraus abzubauen.

Risikofaktor «Stress»

 Rasantes Leben am Limit

Psychische und physische Gesundheit wird durch Dauerstress im Arbeits- und/oder Familien-/ Privatalltag ernsthaft gefährdet. Dabei ist es wichtig, Strategien zu Stressabbau und Umwandlung von Stress zu kennen.

Durch Globalisierung und Individualisierung aller Lebensbereiche werden Lebenssituationen immer komplexer und stellen die Menschen vor grosse psychische Herausforderungen. Stress entsteht, wenn zwischen äusseren und inneren Anforderungen körperlicher, psychischer und/oder sozialer Art ein Ungleichgewicht entsteht und kann sich in Überforderung oder Unterforderung äussern.

Wenn ein Mensch Stress erlebt, wird er durch die Ausschüttung von Hormonen auf Kampf oder Flucht eingestellt. Wenn die bereitgestellte Energie nicht aufgebraucht wird und die Erregung nicht oder ungenügend abgebaut wird, treten negative Stressfolgen (Herz- und Kreislaufkrankheiten, Verdauungsprobleme, Übergewicht, Muskel- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Störungen der Sexualfunktion, psychische Störungen wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Burnout, Depression etc.). Das heisst, akute oder chronische Belastungssituationen können zu Überforderungssituationen führen, welche sich unter anderem in psychische Erkrankungen wandeln können. Die Auswirkungen von psychischen Erkrankungen können bei den Betroffene von psychischen Erkrankungen selber, ihren Angehörigen und bei professionellen Helfern unterschiedliche Belastungssituationen hervorrufen – alle sind gefordert.

Ziehen Sie die Notbremse und gehen Sie gemächliche «10 Schritte für psychische Gesundheit»

Jede und jeder kennt Rezepte gegen Krisen oder kann mit dem alltäglichen Stress mehr oder weniger gut umgehen. Diese Rezepte oder Strategien werden jedoch oft und vor allem in Zeiten von Stress vernachlässigt. In diesen Zeiten können Erinnerungshilfen zu Stressabbau und Antisstress-Strategien hilfreich sein. Oftmals braucht es ganz gezieltes Üben von Stressabbau auf psychischer und physischer Ebene. Die «10 Schritte für psychische Gesundheit» setzen hier an.

Gesprächstipps

Darüber reden ist der erste Schritt zur Gesundung

Über psychische Erkrankungen (oder einfach auch über Probleme, Ängste und Unsicherheiten) zu sprechen,  ist der erste Schritt zur Gesundung oder Lösung. Psychische Erkrankungen gehen selten von alleine vorbei. Es ist darum wichtig, Unwohlsein anzusprechen und sich Hilfe zu holen. Falls Ihnen das Sprechen über Ihre psychischen Probleme oder Erkrankung schwer fällt: Sie sind damit nicht alleine. Viele Menschen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen haben Angst oder schämen sich, über ihre Gefühle und Situation zu sprechen. Gespräche können aber eine grosse Entlastung und einer erster Schritt zur Lösung oder Genesung sein.

Finden Sie hier Gesprächstipps, dass das Sprechen über psychische Erkrankungen leichter fällt.

Die Kampagne Wie geht’s dir? soll dazu beitragen, dass Wissen über psychische Erkrankungen gestärkt wird und dass mit konkreten Gesprächstipps das Sprechen über psychische Erkrankungen leichter fällt. Träger der Kampagne sind neben den beiden Hauptträgern, der Schweizerischen Stiftung Pro Mente Sana und dem Kanton Zürich, auch die Kantone Aargau, Bern, Graubünden, Luzern, Schwyz, Solothurn und Thurgau.

Erfahren Sie mehr über die Kampagne Wie geht’s dir?

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Bild: Wie geht’s dir?

 

 

Therapeutische Möglichkeiten

Die Behandlungsmethoden von psychisch, emotional und psychosomatisch bedingten Leidenszuständen, Krankheiten oder Verhaltensstörungen sind vielfältig. Psychologisch wissenschaftlich fundierte Methoden werden in verschiedenen Formen von verbaler und nonverbaler Kommunikation eingesetzt. Folgende psychologische Therapierichtungen sind in der Schweiz verbreitet:

  • Humanistische Richtungen
    beruhen auf der Annahme, dass psychische Leiden dann entstehen, wenn die Selbstentfaltung, über welche jeder Mensch verfügt, von Umwelteinflüssen blockiert wird. Ziel ist, dass durch die therapeutische Beziehung Aspekte im Verhalten und Erleben entdeckt werden können, welche zu gesundheitsförderlichen Einstellungs- und Verhaltensänderungen führen.
  • Integrative, Körperorientierte Richtungen
    beruhen auf der Annahme, dass Körper und Psyche eine nicht trennbare Einheit bilden. Ziel ist, durch das Arbeiten mittels körperlicher Erfahrungen (durch Berührungen, das Arbeiten mittels körperlicher Übungen und das Arbeiten mittels Körperachtsamkeit) Blockaden zu lösen, damit gesundheitsförderliche Einstellungen und Verhaltensweisen ermöglicht werden.
  • Kognitiv-Verhaltenstherapeutische Richtungen
    beruhen auf der Annahme, dass Einstellungen, Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen bestimmen, wie wir uns fühlen, uns verhalten und wie wir körperlich reagieren. Ziel ist, Fähigkeiten auszubilden und zu fördern, sodass durch Selbstregulation gesundheitsförderliche Einstellungs- und Verhaltensweisen ermöglicht werden.
  • Psychoanalytische Richtungen
    beruhen auf der Annahme, dass psychisches Leiden auf unbewussten, in der Lebensgeschichte – meist in der Kindheit – begründeten Motivationen und Konflikten basieren. Ziel ist, Hintergründe und Ursachen von Leiden zu klären und diese dadurch aufzulösen oder abzuschwächen, damit gesundheitsförderliche Einstellungen und Verhaltensweisen ermöglicht werden.
  • Systemische Richtungen
    beruhen auf der Annahme, dass psychische Leiden und Konflikte auf systemischen Zusammenhängen und interpersonellen Beziehungen innerhalb des sozialen Umfelds zurückgeführt werden können. Ziel ist, Konflikte und Symptome mit interpersonellen Beziehungs- und Erklärungsmustern zu thematisieren und zu verändern, damit gesundheitsförderliche Einstellungen und Verhaltensweisen ermöglicht werden.

Innerhalb dieser Therapierichtungen existiert eine Vielzahl an psychotherapeutischen Methoden. Die Wirksamkeit der Therapiemethoden ist dabei wesentlich von der Zusammenarbeit Patientin oder Patient mit Therapeutin oder Therapeut abhängig. Es ist einerseits bedeutend, dass die Beziehung Patientin oder Patient zu Psychotherapeutin oder Psychotherapeut als angenehm erlebt wird und dass ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann. Des Weiteren ist es wichtig, dass die gewählte Methode für die individuellen Bedürfnisse die passende ist und dass Vertrauen in die Therapiemethode hergestellt werden kann.

Eine begleitende medikamentöse Behandlung kann je nach Erkrankungsbild ratsam und hilfreich sein.

 

«Burnout in der Schule: Früh erkennen und vorbeugen»

Über 70 Prozent der Lehrpersonen sind trotz hoher Belastungen mit Ihrem Beruf zufrieden. Gleichzeitig ist aber die Zahl jener, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Beruf aussteigen oder sich frühpensionieren lassen, verhältnismässig hoch. Es gibt Hinweise, dass die Gefahr im Lehrberuf auszubrennen höher ist als bei anderen Berufsgruppen, höher beispielsweise als bei Polizisten oder Pflegefachfrauen. Aktuelle Untersuchungen berichten von rund 10 bis 30 Prozent ‘ausgebrannter’ Lehrpersonen. Schuld sind: das aufreibende Lehren, die ausufernde Administration, die ständigen Reformen, die fordernden Eltern und Kollegen und last but not least die eigenen hohen Ansprüche.

In der neuen  Burnout in der Schule: Früh erkennen und vorbeugen (d, it)  erhalten Sie Informationen sowie Bündner Ratgeberadressen. Die Broschüre können Sie natürlich in unserem Shop oder via Email kostenlos bestellen.

Finden Sie weitere Hintergrundinformationen zum Thema:

Kontakt: Gesundheitsamt Graubünden, Gesundheitsförderung und Prävention, Valeria Ciocco, 081 257 64 10,  valeria.ciocco@san.gr.ch

Psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern

Die Publikation von Radix, dem Netzwerk gesundheitsfördernder Schulen, wendet sich an Lehrpersonen, Eltern und andere Interessierte, die mehr über die psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern erfahren wollen. Das 2008 veröffentlichte Fact Sheet bietet in knapper Form viel Wissenswertes.

Die Publikation umfasst vier Kapitel:

  1. Die psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schüler
  2. Symptome und Häufigkeit der psychischen Krankheitsbilder im Kinder- und Jugendalter
  3. Lebenszufriedenheit und psychische Beschwerden
  4. Therapie und Gesundheitsförderung

Das Factsheet gibt es unter diesem Link als kostenlose pdf-Datei.

Kontakt: Gesundheitsamt Graubünden, Gesundheitsförderung und Prävention, Valeria Ciocco, 081 257 64 10, valeria.ciocco@san.gr.ch

Selbsttests online

Die folgenden Selbsttests ersetzen in keinem Fall die ärztliche Diagnose!
Das Ergebnis kann aber beim ersten Gespräch mit dem Arzt wichtige Anhaltspunkte geben.

 

Schweizer Manifest für Public Mental Health

Die integrale Beachtung der psychischen Dimensionen von Gesundheit auf individueller und gesellschaftlicher Ebene sowie ihrer Wechselwirkungen ist in der Schweiz in Forschung, Professionspraxis, Bildung und Politik noch viel zu wenig selbstverständlich. Das vorliegende Manifest für Public Mental Health wurde für die Swiss Public Health Conference 2014 und die 3. Netzwerktagung Psychische Gesundheit Schweiz erarbeitet und soll zu mehr Selbstverständlichkeit und verbessertem Wissen über die Zusammenhänge beitragen. Es richtet sich an Berufstätige in den relevanten Aufgabenfeldern der Gesundheitsförderung, Prävention, Behandlung und (Re-)Integration sowie an die privaten wie auch die öffentlichen Entscheidungsträgerinnen und -träger. Das Manifest soll Basis für das professionelle Handeln und für die Entscheidungsfindungen bei der Schwerpunktsetzung sein.

Organisationen, die das Manifest gerne unterstützen möchten, können sich direkt unter info@public-health.ch melden. Verlinkungen auf andere Internetseiten können gerne gemacht werden.

Das Manifest kann direkt bei Public Health Schweiz bestellt werden. Auflagen bis 10 Exemplare können kostenlos bestellt werden. Für grössere Mengen werden die Selbstkosten verrechnet.

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